Unmöglichkeiten I

27 05 2009

Wie dem Leser sicherlich bekannt, wohne ich nun mittlerweile auch in einer der deutschen Großstädte. Da es hier doch ab und zu Dinge zu sehen gibt, die einem sonst vielleicht nicht so unter die Nase kommen und die es vielleicht auch als – ich bin versucht, Normalo zu sagen – zu vermeiden gilt, möchte ich mit dieser Reihe einen Raum für eben diese schaffen. In der Regel begegnen einem solcherlei Lebensschmankerl in einem der zahllosen ÖPNV-Objekte oder im Laufe der Fortbewegung durch die Stadt auf sonst irgendeine Art und Weise. Möge die Reihe also beginnen.

 

Man möchte eigentlich schreien – ja laut schreien – wenn man ihn sieht. Es ist ausnahmslos ein er. Kein bestimmter er - eher ein bestimmter Typus er. Er ist Ende 40 – sieht aber mindestens aus wie Anfang 50, trägt gerne eine helle Jeans – und mit hell ist hier nicht etwa eine helle Blautönung gemeint, bzw. eine Bleiche der üblichen Jeansfarbe; nein nein, hell bezeichnet in der Tat einen lieblichen Sandton – darüber ein dunkles Sacko, wahrscheinlich aus Cord – nein kein Cord, das wäre zu gut – es ist etwas anderes, vielleicht Samt-artig – wer weiß – ich habe keine Ahnung von Stoffen. Das Hemd greift den Farbton der Hose auf und von der Beschaffenheit eher als rau und äußerst fest zu kategorisieren. Dies für sich allein genommen ist durchaus kein Problem und modisch mitunter akzeptabel. Wenn da nicht ein wichtiges Detail die beschriebene Anzugordnung krönen würde: Es ist die uns vielleicht noch aus Kindertagen bekannte Micky-Maus-Comic-Krawatte – gerne auch mit Donald Duck Comic Strips verziert. Vielleicht billige Nachdrucke des lustigen Taschenbuchs. Auf jeden Fall ein Augenschmauß  - an vierjährigen Buben oder 18 jährigen Alternativ-Szene-Hippies mit dem Hang aus allem und jedem Ironie abzuleiten – nicht aber an Herren gesetzten Alters, die das Kleidungsstück gänzlich unironisch zur Schau stellen und sogar mit einer goldenen Krawattennadel vor dem Um-den-Hals-Flattern bewahren. Die Krawatte über dem Nabel eines wohlgenährten Bauches enden zu lassen trägt darüber hinaus auch nichts zur Verbesserung der Optik des Trägers bei.

Ich fordere hiermit die Verbrennung aller Micky-Maus-und-Donald-Duck-Krawatten! Ich fange auch an – sicherlich habe ich noch eine irgendwo im Schrank. Alternativ kann man auch tolle Dinge aus den entsprechenden Produkten herstellen.


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