Es ist wieder ausgebrochen: das Fußballfieber in Deutschland. Wahrscheinlich hat es sich bei ein paar WM2006-Public-Viewing-Begeisterten so fest eingebrannt, dass nun bereits vor der Europameisterschaft alles wieder schwarz-rot-gülden geschmückt ist. Erinnert entfernt ein wenig an alte “1.Mai”-Feierlichkeiten, bei denen ganze graue Häuserfronten plötzlich blutrot erstrahlten.
Die Meute ist heiss und freut sich auf Fußballschlachten mit Gänsehautgefühl wie vor 2 Jahren. Doch hier liegt der Hase im Pfeffer: Es ist nicht mehr 2006 – es ist keine Weltmeisterschaft – wir spielen nicht in Deutschland mit Millionen von Fans, die die Manschaft anpeitscht. Nein es ist eine Europameisterschaft, wir haben ein relativ neues Team mit Spielern, deren Namen wir teilweise nicht kennen, bzw. von denen wir nichtmal wussten, dass diese Profi-Fußballer seien. Wir haben auch einen neuen Chef-Trainer mit relativ wenig Spielererfahrung. Viele der Spieler, die wir damals im Rausch der Gefühle bejubelt haben, sind dieses Jahr nicht mal mehr dabei. Meiner bescheidenen Meinung nach, also eine vollkommen andere Ausgangssituation.
Die Millionen fiebrigen Fans aber, scheinen dies zu ignorieren und sehen in ihren vom Fieber hervorgerufenen Halluzinationen die deutsche Mannschaft zu mindestens im Finale. Natürlich blieb es nicht unbemerkt, dass man mit dem Fieber aus Scheisse Gold machen Geld verdienen kann, und so werden wir Konsumenten mit EM-Sonderangeboten, die sich entweder auf den Nationalgeist oder auf die maßgeblichen Erfolgschancen der National-11 beim Turnier oder auch auf beides beziehen, geradezu bombardiert.
Die Frage, die jedoch aufkommt, ist, was eigentlich passiert, wenn wir schlecht spielen und/oder unterm Strich schlecht abschneiden? Kommt dann nach der Euphorie der letzten 2 Jahre die große Depression, die sich wunderbar zur bereits existierenden Tristess der sozialen Probleme gesellt? Werden wir unsere Jungs auseinanderreißen, wenn Sie nach der Vorrunde wieder in Deutschland aufschlagen? Was passiert mit dem tollen Wir-Gefühl und dem neuen Nationstolz?
Aber positiv denken: Selbst wenn wir scheitern – Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – es geht also weiter. Und in der Vergangenheit – so bilde ich mir jedenfalls ein – haben wir (die Nationalmannschaft) immer ganz gut gespielt, wenn wir (die Nationalmannschaftfans) nicht all zu viel von uns (der Nationalmannschaft) erwartet haben.
So .. und nun geh ich Fussballschauen.